Sonntag, 28. Februar 2010

Dieses Mädchen

Dieses Mädchen mit den wunderschönen Locken, den großen Augen, dieser kleinen Stupsnase.
Ihr Lächeln erwärmt jedes Herz, ist der Pfleger auch noch so streng.
Sie ist so jung, gerade zwanzig geworden und doch so verzweifelt.
Drückt mir ihr Gedichtband in die Hand, welches voll von tiefstem Schmerz ist, den sie bereit ist mit mir zu teilen.
...
Ich betrete ihr Zimmer.
Sie steht im offnen Fenster.
Nicht zum ersten Mal.
Ich rufe ihren Namen,
der identisch zu meinem ist.
Ich rufe ihn noch dreimal.
Sie reagiert nicht, steht starr im Fenster mit dem Rücken zu mir im zweiten Stock.
Sie fühlt sich schuldig, denn sie hat eine Wunderkerze angezündet.
Offenes Feuer im Krankenhaus - Wie konnte sie nur?
Wollte sie doch nur für einen Moment glücklich sein,
diese Wunderkerze hätte ihr Leben für einen Moment des Glückes erhellt,
So ist sie jetzt bereit ihr Leben für diese Tat zu opfern.
Ich rufe sie nochmal, doch sie reagiert nicht.
Mein Atem stockt, mein Puls schlägt mir bis zum Hals.
Ich habe echte Angst um sie, was mach ich jetzt?
Soll ich wieder gehen, sie in Ruhe lassen?
Soll ich zu ihr ans Fenster gehen, sie zurückreißen?
Ich weiß es nicht.
Wenige Minuten werden zu gefühlten Minuten.
Wir beide sind ganz allein.
...
Ich stehe hinter ihr, sie setzt sich aufs Fensterbrett.
Ich umarme sie fest von hinten, drücke sie an mich, während sie zu weinen beginnt und der Nacht ihre Gedanken mitteilt.
Sie erkennt sich nicht wieder.
Sie will hier noch nicht raus.
Sie ist noch nicht bereit dafür für die Welt da draußen.
Ich stimme ihr zu und sie weint noch lauter.
Ich drücke sie noch fester an mich
und verspreche ihr das alles besser wird.
Irgendwann.
...
Sie verspricht mir mich draußen zu besuchen,
wir treffen uns morgen früh beim Frühstück.

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