Aufgestanden. Es ist schon spät. Ich gehe laufen und fühle mich wieder frei. Die Sonne scheint durch die Bäume. Ich liebe das Grün im Treptower Park. Es erscheint mir immer seltsam intensiv. Meine Entscheidung war richtig. Das fühle ich.
Auf dem Carneval: Tausende tanzen Menschen, tausend lachende Gesichter, doch keines ist deines. Ab und zu suche ich jetzt nach dir in der Menge, aber kann dich nicht finden. Auf einer Wiese tanzen diese vielen Menschen weiter. Einer von ihnen findet, ich sei sehr kraftvoll, ein starkes Strahlen, energiegeladen im positiven Sinne. Er überschlägt sich. Ich fühle mich geschmeichelt und tanze weiter, ohne Pause, die ganze Nacht lang. So lange bis die Polizei die werte "Feiergemeinde" vertreibt. Immer wieder sehe ich unterdessen auf mein Telefon. Doch nichts.
Morgens um halb acht fahre ich nach Hause, meine Gedanken bei dir, scheint mir die Sonne ins Gesicht. Ich atme tief, genieße den frischen Wind im zerzausten Konfettihaar.
Da einsame Menschen, dort ein Mädchen weinend auf einer Bank, ein Typ pinkelt von der Oberbaumbrücke, ich finde das witzig. Der Blick über die in Sonne gebadete Spree sagt mir, ich bin hier zuhause. So wie die Menschen, die vor meinem Bäcker singen. Ich lache sie an und applaudiere.
Zuhause angekommen brennen meine Füsse vom Tanzen, ich ziehe sie aus und führe
ein letztes Chatgespräch mit einem Unbekannten, es langweilt mich.
Den eigenen Atem und die Bässe der vergangenen Nacht schmerzhaft im Ohr,
bleibt dieses Gefühl, dass ich mich bei dir melden will.
Du fehlst mir, doch ich kann es dir nicht sagen.
Es ist zu kompliziert.
Ich lösche deine Nummer. Diesmal vielleicht zum letzten Mal.