Seit Januar 2009 arbeitet der renommierte griechische Choreograf und Tänzer Andonis Foniadakis als Artist in Residence im DOCK 11 in der Berliner Kastanienallee. Erste Einblicke in den 'work in progress' wurden nun am 28. Februar und 1. März erstmals einem kleinen Publikum vorgestellt, wobei Foniadakis noch bis Ende März seine 'Solo' in Berlin weiterentwickeln wird.
Der Tänzer, der in den letzten Jahren besonders mit seiner innovativen Inszenierungen von Stravinskys 'Sacre du printemps' hervorgetreten ist, gehört zu den bedeutendsten Choreografen der Gegenwart. Dabei beeindruckte er sowohl durch seine virtuosen Performance anspruchsvollster Werke von William Forsythe oder Saburo Teschigawara, wie durch den individuellen Stil seiner eigenen Tanzstücke. In Berlin hat er nun ein 'Solo-Portrait' zu Kompositionen von Julien Tarride und der visuellen Gestaltung von Panayiotou Christodoulos erarbeitet.
Im Preview seines 'Solo' thematisiert Foniadakis in erster Linie die „kinetische Erinnerung“ und damit die unterschiedlichen Ekstasen der Zeitlichkeit, wie sie sich für den Betrachter des Tanzes ins Gedächtnis schreiben, im Augenblick des Performativen ereignen und gleichzeitig durch die Ahnung antizipiert werden. Die Dramaturgie ist in ihrer klaren Teilung leicht verständlich. Zu Beginn führt Andonis Foniadakis in die Choreografie ein und reagiert in subtilen Nuancen auf die zerbrechliche Musik von Julien Tarride. Relikte einer verletztlichen musique concrète werden dabei aggressiven Raumklängen kontrastierend gegenüber gestellt. Im zweiten „Szenario“ wird die Musik hingegen melodiöser und entsprechend auch die Grunddynamik der Körperlinien weicher und organischer. Durch die gezielte Verwendung von Goldstaub erzeugt der Tänzer um seine Bewegungen und seine Körper eine geradezu sakrale Aura. Dem entgegen kommt es im dritten Abschnitt zur rituellen Selbstgeißelung, die auch den Betrachter nun erstmals intensiv einbezieht. Wenn man sich hier an die orgiastischen Riten und Kulttänze des 'Sacre' erinnert fühlt, so findet diese Assoziation ihre Kehrseite aber ebenso in der intimen Sensibilität, die in ihrem „Sprachcharakter“ nicht selten an Mimik, Gestik und Pantomime erinnert. Im Gegensatz zu dem inspirationslosen Caravaggio-Ballett, das Mauro Bigonzetti erst kürzlich an der Oper Unter den Linden zur Uraufführung brachte, gelingt es Andonis Foniadakis weitaus produktiver an Augenblicke der abendländischen Bildkultur zu erinnern, die damit – gewollt oder ungewollt – zum Teil der körperlichen Ausstrahlung seines „Solo-Portraits“ avancieren. Indem der nackte Körper in Belichtung, Ästhetik und Kolorit dem Inkarnat der Malerei Caravaggios verblüffend nah kommt, wird nun auch ihr Sprachcharakter verständlicher. In der Gestalt von Pathosformeln erzeugt die Kraft, Dynamik und Passion der Körpergesten gleichzeitig eine große symbolische Kraft.
Aby Warburgs Idee und Vorstellung jener zeitlos verfügbaren „Pathosformeln“, die nur in Verbindung mit Bewegung und Tanz gedacht werden konnte, findet bei Foniadakis somit augenscheinlich ihre moderne Entsprechung. Doch nicht allein darin erschöpft sich das kreative Potential seiner Choregrafie. Im theatralen Dialog zwischen Publikum und einem fiktiv-schizophrenem Ich steht auch der tänzerische Kommunikationsprozess im Mittelpunkt seiner Performance.
Andonis Foniadakis’ 'Solo' wird in der entgültigen Version als Portrait eines beeindruckenden Künstlers der Gegenwart am 24. April 2009 im Maison de la Danse in Lyon seine Premiere feiern.
Toni Hildebrandt, klassik.com
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