Donnerstag, 19. Februar 2009

Gedankenkette..von Neo Rauch zu Gerhard Richter.

Bisher hielt ich Neo Rauch für völlig überbewertet, aber als ich letztens einen Bericht über ihn auf 3sat sah, indem sich sogar Werner Spies (ich durfte mit ihn kennenlernen bei "Picasso - Malen gegen die Zeit") als großer Fan outete, musste ich meine bisherige Meinung überdenken. Die Amerikaner stehen ja angeblich auf ihn, weil sie mit dem Abstrakten (Newman, Rothko, Louis usw.) aufgewachsen sind. Neo schildert für sie nun die Abgründe der wiederentdeckten Gegenständlichkeit.
Im Interview mit Rauch, indem er bei mir mit seinem netten Ostakzent punktete, wurde mir klar, dass er frei gegenüber jeglichen Kunstismen arbeitet. Neo Rauch liebt den alten Menschen, liebt Traditionen und konservative Konventionen. Zeigt uns, dass sie in der heutigen Welt immer wichtiger werden. Er selbst liebt seine Heimatstadt Leipzig und sagt, dass er nur dort arbeiten kann. Es wiederstrebt ihm ein "globalisiertes Malinstitut" zu sein.
Rauch gibt uns in seinen Bildern Hoffnung auf Erlösung des täglichen Daseins, indem er die Realität als Fiktion erscheinen lässt, als weltliches figuratives Chaos, oft als bühnenhaftes Drama. Immer spielen große Dissonanzen eine Rolle. Nichts stimmt in seinen Bildern, denn "das Perfekte liegt ihm nicht" sagt er.
Neo Rauch darf sich in seinen Bildern wie Gott fühlen und schöpfen, was ihm in den Sinn kommt. Dennoch, das Bild der Bilder hat er noch nicht gemalt, sagt er. Zum Glück, denn so werden noch viele Folgen.
Also wer es in der Heimat noch nicht weiß, nicht weit weg im berühmten Naumburger Dom hat Neo Rauch drei Kirchenfenster gestaltet und deswegen komm ich auch auf die genialsten Kirchenfenster, die ich je gesehen habe: die von Gerhard Richter im Kölner Dom. Ich hasse Köln, aber das ist wirklich ein Grund nochmal hinzufahren. Die Farben, das Licht, einfach unglaublich. Göttlich trifft es wirklich. Ich muss das nochmal sehen und gute Bilder mitbringen.

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