

Lieber Herr Henze,nachdem ich mir nun wirklich ein paar Tage so nebenbei meine Gedanken gemacht habe und mich mit meinen bescheidenen Schulenglisch durch ihr an Fremdwörtern reiches Interview gekämpft habe, muss ich zugeben: Das Kartenhaus ist nicht eingestürzt. Es ist stabil. Sehr sogar. Fast zu stabil, für meinen Geschmack. Nüchtern trifft es für meine Begriffe am Besten.
Nachdem ich sehr überschwenglich, fast euphorisch auf die Werkreihen Ambushes, Wesung, Human Factor und Subjektbeschleuniger reagiert habe, und ich mich irgendwie auch an Carsten Nicolai erinnert fühlte, bin ich nun ja fast vom Rausch ausgenüchtert. Dennoch möchte ich ein sehr gern ein paar banale Worte Kunstkritik äußern.
Ich stellte fest, dass die Euphorie, ja die Gefühle, die ihre Werke auslösen, gar nicht wissenschaftlich erklärt werden müssen, denn genau das nimmt ihnen ihre Magie. Diese Magie ist es doch, das Geheimnsvolle, was uns an Kunst im Allgemeinen fasziniert. Die ungelösten Rätsel, die uns immer wieder von Neuem dazu bringen, Dinge zu überdenken, weil sie nie endgültig bestätigt oder verneint werden. Diese Rätsel faszinieren uns, weil sie selbst durch Menschenhand, durch den Künstler gestellt werden. Doch was passiert, wenn eine Maschine diese Rätsel stellt? Das Rätsel durch Codes entschlüsselbar wird? Wollen wir das überhaupt?
Ich bin mir sicher, sie kennen diese Gedankengänge.
So ist diese nüchterne Betrachtungsweise ihre Bilder im Hinblick auf ihre Enstehung fast unmenschlich. Ich möchte weiterhin überwältigt sein von der Ästhetik "ihrer" Bilder. Dass ein Computer eine menschliche Handschrift, ja die eines Künstlers imitiert, wie bei "Subjektbeschleuniger", macht mir dabei beinahe Angst.
Die Utopie der Verbindung von Mensch und Maschine, von ratio und emotio, als Problemstellung zu thematisieren ist ihnen in jedem Fall gelungen und schon allein das, ehrt sie und ihre Kunst, die auf der "Suche nach dem Absolutem" ist. Diese elementären Gegensätze zu vereinen ist meiner Meinung nach nicht möglich und darf auch nicht geschehen, denn unsere Welt lebt von diesen schöpferischen Gegenpolen. Von ihnen richtig erkannt, bewegt man sich stets an einer Grenze, die doch nicht überschritten werden kann.
Ihre Computerzeichnungen besitzen meiner Meinung nach Seele, ein Widerspruch, der doch keiner ist, weil sie Herr Henze, Herr der Lage sind und bleiben, nicht die Maschine. Deshalb ist und bleibt auch ihre "Suche nach dem Absoluten" bereits das Ziel und macht somit ihre Werke vollkommen. Das ist Kunst.
Ich bin ein großer Fan, wirklich.
http://www.enohenze.de/
..und ich könnte noch so viel mehr sagen, allein formal, habe ich kein einziges wort verloren.
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