Sonntag, 26. April 2009

Janet Cardiff und George Bures Miller "The Murder of Crows" im Hamburger Bahnhof

Mit ihrer bisher größten Sound Installation "The Murder of Crows" setzen die beiden kanadischen bildenden Künstler Janet Cardiff und George Bures Miller ihre seit Mitte der 1990er Jahre gemeinsam verfolgte Auseinandersetzung mit den skulpturalen und physischen Eigenschaften von Klang fort. In der historische Halle des Hamburger Bahnhofs wurden insgesamt 98 Lautsprecher installiert, durch die in besonderer Wiedergabetechnik Stimmen, Musik und Klangumgebungen in einer Art Komposition abgespielt werden. Der Besucher nimmt Platz auf Klappstühlen zwischen den Boxen und wird klanglich direkt angesprochen. Die spezielle Ambisonic-Raumklangtechnik erzeugt beim Hörer ein gesteigertes räumliches Hören und Empfinden, und die in dem dreidimensionalen Klangraum auftretenden akustischen Ereignisse sind von bestürzender Präsenz für die individuell vom Sound betroffenen Hörer. Die Installation ist dabei eher konzipiert wie ein Film bzw. ein Theaterstück, allerdings mit allein von Klängen erzeugten Bildern und narrativen Strukturen. Dafür wurden die Klappstühle kreisförmig postiert und ein großer roter Vorhang installiert. Es funktioniert, fast alle Hörer schließen ihre Augen und lauschen der Aufführung. Das dreiteilige Stück dauert etwa 30 Minuten und so wird es fast jedem Hörer möglich gemacht das Stück in voller Konzentration zu begreifen. Der Titel der Installation »The Murder of Crows« bezieht sich auf die englische Bezeichnung für einen Schwarm von Krähen und das ungewöhnliche Phänomen, das als "Krähenbegräbnis" bekannt ist: Beim Tod einer Krähe kommen viele Artgenossen zusammen und stimmen, mitunter über 24 Stunden lang, eine Totenklage an.
In der Installation von Cardiff & Miller hört man aus einem in der Mitte des Raums auf einem Tisch plazierten Megaphon die Stimme von Janet Cardiff, Träume und Gedanken rezitierend. Sie ist in ihren eigenen Albträumen gefangen, in denen sie grausame, von Angst und Schrecken erfüllte Szenen durchlebt. Im Übergang von einer Klangwelt zur nächsten folgt die Struktur des Stücks jenen unlogischen, aber dennoch miteinander in Beziehung stehenden Verknüpfungen, wie man sie aus der Welt des Traums kennt. Die Klangarbeit gerät zu einem Requiem für eine aus den Fugen geratene Welt, in der ein Mangel an Vernunft, aber auch ein Übermaß an Zweckrationalität unvorstellbare Grausamkeiten, Tollheiten und Katastrophen zur Folge hat.
Der Hörer bzw. Ausstellungsbesucher wird zum Akteur in ihren audio-visuellen Inszenierungen und begibt in einen fast tranceartigen Zustand, dem etwas Religiöses anhaftet. Positive und Negative Klangerfahrung und Stimmung wechseln sich ab. In einem akustischen Part der Installation spürt man kontär zum Alptraum fast eine Art Hippiecharakter und man fühlt sich auf seltsame Weise durch das gemeinsame Klangerlebnis mit den anderer Teilnehmern verbunden.


2 Kommentare:

  1. Hab die Ausstellung am Wochenende mit der Sarah gesehen und ich für meinen Teil war absolut begiestert von dieser Klanginstallation.

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  2. Waren schon am Donnerstag da und es hat uns sehr beeindruckt.
    Ja schade, dass es nicht geklappt hat, mit dem Treffen. Musste leider arbeiten und war heute voll platt.
    Hab dein Blog auch bei ein "Herz für Blogs" beworben!
    wünsch euch alles liebe, ihr Schlawiner.

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