Freitag, 2. Oktober 2009

Mimesis heute - oder, die Zukunft der Bilder. Frei nach Anders und Belting.

Die heutige Welt, die geprägt ist von einer Ikonomanie, in der sich die Sucht des Menschen zeigt, sich wie deren ständig produzierte Bilder, zu vervielfältigen. Die Gesellschaft produziert inzwischen immer weniger materielle Dinge und immer mehr „Daten“ und Informationen. Damit verschiebt sich der Schwerpunkt vom Ding zum Bild endgültig. Bilder werden zu Symbolen und zugleich zu Masken der körperlosen Information. Die Geste verschwindet. Indem die Bildproduktion zur wichtigsten Ware wird, werden Informationen begehrter als die Dinge selbst. Bilder werden massenaft als Informationen konsumiert, die dem Publikum die Mühen des Lesens ersparen. Es sind Informationen zur stillschweigenden Aufforderung zur Idolatrie, sprich Bilderverehrung. Die Welt wandelt sich somit zum Phantom, dass sich nur noch in einer unendlichen Anzahl und Ansammlung von kurzweiliger Bilder zusammensetzt. Wir sind an der Stelle angekommen, an der das Ereignis erst als Bild oder in Form eines Photos oder Youtubevideos sozial bedeutend wird. Der Unterschied zwischen Sein und Schein ist aufgehoben. Das Original muss sich nach seiner Reproduktion richten, für die es nur noch die Matrize liefert. Bilder werden Phantome, weil wir deren Natur als bloße Bilder, im Sinne eines Abbildes der Wirklichkeit, nicht mehr realisieren. Auch das Zeitgefälle, das einmal zwischen Bild und Ereignis bestand, verschwindet. Bilder entstehen und entweichen synchron, als wären sie die Ereignisse selbst. Die Gegenwart verliert ihre zeitliche Bedeutung, als Zeit in der wir leben, und mutiert zur Simultanität von Fakt und Übertragung. Alles Wirkliche wird phantomhaft, alles Fiktive wirklich. Im heutigen Bilderkonsum wird ein kollektives Bilderarchiv flächendeckend aufgebaut, das die Stelle der privaten Imagination zu besetzen droht. Die alte Maxime der Ähnlichkeit kehrt sich um, wir messen die Welt nach der Ähnlichkeit, die sie mit den Bildern hat, und nicht die Bilder an der Wirklichkeit. Aus „Imagining“ wird „Imaging“. Die Grenze zwischen Ikone und Idol wird undeutlich.


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