Was ist eigentlich diese Postmoderne?Irgendwie grenzt sich das von der Moderne ab, indem der Fortschrittsbegriff abgelöst wird. Das heißt Kunst wird jetzt nicht mehr geschichtsphilosophisch gedeutet, sondern pluralistisch. Erfunden hat das Wort Jean-Francois Lyotard 1979 in dem Text "Über die Lage des Wissens in den höchst entwickelten Gesellschaften". Unser Wissen nannte er dort erstmals postmodern. Er stellt dort fest, dass wir das Vertrauen in ein einheitliches, allgemeines und allgemeingültiges Wissen über das Wesen des Menschen und seine Geschichte verloren haben. Es geht jetzt, so sagt Welsch, um radikale Pluralität, (die wir alle täglich zu spüren bekommen und dessen dazugehörige Freiheit uns immer wieder aufs Neue fertig macht und zugleich aufbaut). Diese Pluralität meint, dass es hochgradig differente Wissensformen, Lebensentwürfe, Handlungsmuster, ja völlig eigenständige und unterscheidliche Arten von Vernunft gibt. Die Postmoderne pladiert für also für Vielheit und tritt dem "Pars-Pro-Toto", ein Teil steht für das Ganze, damit der Einheit entschieden entgegen. Es geht jetzt, genau jetzt, um die Vielheit heterogener Konzeptionen und Lebensformen. Jeder macht was er will und das ist cool so. Unter genau diesem Fokus der Pluralität wird die Postmoderne aber irgendwie auch wieder zu Einheit.
In der Kunst, sagt Jencks, zeigt sich die Postmoderne als dissonante Schönheit oder disharmonische Harmonie, Pluralismus heißt auch nicht nur, dass es die unterschiedlichsten Stile parallel gibt, wie man zum Beispiel auf'm Artforum gesehen hat, sondern es geht auch um die innere, ja immanente Zerstplitterung der Kunstwerke selbst (So wie die meisten von uns innerlich zerissen sind). Das Stilprinzip der Postmoderne ist nach Jencks durch einen radikalen Eklektizismus geprägt, das heißt überall darf geklaut und kopiert werden, wenn man nur daraus etwas Neues entsteht. Die Rückkehr zum Ornament und zu Formen des menschlichen Körpers, meist ironisierend eingesetzt, haben den Hype der Leipziger Schule erst möglich gemacht und damit eine Rückkehr zum Inhalt bewirkt. Erzähl doch mal, was da auf dem Bild dargestellt ist? Erzähle mir die verloren geglaubte Geschichte!!! Das meint der doch nicht ernst, ne? Es ist die Sehnsuch nach etwas Greifbarem, die Neo Rauch gegenüber Imi Knoebel vor allem für die Amerikaner so attraktiv macht. (Da die im New York der 20,30,40er Jahre von Abstraktion eingekesselt waren). Ähhm ja, zurück zum Thema...
Postmoderne Kunst ist also gekennzeichnet durch eine Doppelkodierung im Sinne von Ironie, Mehrdeutigkeit und Widerspruch. Entschlüsselbar nach mehreren Codes gleichzeitig, die sich auch mal gegenseitig ironisieren, aufheben, widersprechenfunktioniert das alles auf individueller Basis. Eine eigentliche Ikonographie gibt es also nicht. Jeder schreibt seine eigene. Das wird dann "Multivalenz" genannt, die der Deutung Umberto Ecos von der Offenheit des Kunstwerkes entspricht und eine prinzipielle intendierte Vieldeutigeit meint. (wie ich sie zuletzt auch schon abschließend bei Wols feststellte.)
Die Kunst der Postmoderne ist letztlich der Wunsch nach einem Gemeinschaftsraum und das Eingeständnis, dass es in der modernen Gesellschaft ebensolchen nicht mehr gibt. Um diesen Gemeinschaftsraum zu erzeugen, werden diese Sehnsüchte danach zitiert und errinnert. Ganz nach dem Motto, jetzt holen wir uns die "Verlorene Mitte", die Sedlmayer beschrieben hat, zurück, koste es was es wolle. (Man sind wir spießig.)
Die gute alte moderne Ästhetik (Klee, Kandinsky, Mondrian) zeigte das Nicht-Darstellbare durch den abwesenden Inhalt, Abstraktion bis zum GetNO, irgendwie hat letztlich nur die Form geflashed, zum Beispiel bei Rothko oder Newman, Pollock usw.
Und die Postmoderne zeigt uns jetzt in der gegenständlichen Darstellung durch Ironie das Nichtdarstellbare. (die Dissonant-Schönen Wim Delvoye, Gilbert&Gerorge, Tracey Emin, Cindy Sherman, Leipziger Schule endlos fortsetzbar und eigentlich ganz schon banal).
Mal ehrlich, man ist ja selbst ständig auf der Suche nach diesem Undarstellbaren, was man in dieser verrückten Welt nicht mehr fühlt. Gebt mir doch mal bitte dieses Gefühl zurück, das da noch mehr ist! Irgendwas woran ich glauben kann?
Ich selber ertappe mich deshalb und vielleicht trotzdem dabei, wie ich eher die Klassiker genieße und die postmoderne Grütze abstempel, zu eben solchen platten Zitaten vergangener Zeiten degradiere. Wahrscheinlich ist man als Kind der DDR einfach nur zu sehr an den alten, tradierten Freiheitsbegriffen orientiert und muss da noch was aufholen. Erklärt irgendwie, warum es die Klassiker immer wieder schaffen durch ihrer Endoffenheit, und dieser greifbaren Begrifflichkeit zu fesseln. Man kann sie kontrolliert genießen, ohne ständig an die Verlorenheit dieser Postmoderne erinnert zu werden, was mir sowieso täglich beim Lesen der Nachrichten und der Bilderflut in Medien bewusst ist. Naivität kennt nicht die Grenzen ihrer eigenen Naivität.
Grenzt an gewollten Realitätsverlust Frau Ebbe. Hoch lebe die Kunst!
PS: (Einmal Freiheit und Zurück. Einheit vs. Vielheit. Organismus vs. Rhizom. Oder vs. Oder-So-Ähnlich.) Never-Ending-Lovestory.
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