Einmal zu tief ins Glas geschaut, alle Freunde allein nach Haus gehen lassen, dann die falschen Worte zum Langhaarigen am Ausgang gesagt und ZACK!, du landest in der Psychiatrie. Lebensmüde Gedanken. Akute Suizidalität nicht auszuschließen. Fremdaggressivität. Mittelgradige depressive Episode. Endogene Psychose.All das sind Phrasen die ich jeden Tag lese und Geschichten die ich jeden Tag höre. Ein Auffangbecken für Alkoholiker, Drogenabhängige, Depressive und Schizophrene.
Morgens viertel vor sechs. Schlüssel ins automatische Türschloß gesteckt, nach links gedreht und auf gehts in die Anstalt. Sofort dringt der durch Türen und Wände kaum zu dämpfende Schrei des vermeindlichen Epileptikers unabdingbar in den Schädel. Naja, nach einer Stunde hört mans dann auch nicht mehr, also was solls.
Bevor man den kurzen Weg in den gläsernen Arbeitsbereich begehen kann, kommt schon der erste Alkoholiker. Irgendwann nach drei Flaschen Schnaps und ein paar Bier hat sogar sein Körper nachgegeben und bei 3,7 Promille ist er umgekippt. Der Freund und Helfer in grün war natürlich als bald zur Stelle und die Notaufnahme beweist wie immer Routine. Smalltalk ohne Kurzzeitgedächtnis des Gegenüber? - Alltag. Besser als Delir und Krampfanfälle sagt man. Eine Tasse Heißgetränk später, die all morgentliche Frage nach dem Spaziergang mit der Geliebten im Garten - es sei ja so schönes Wetter in Gottes Wohnzimmer. Vielleicht später, lieber erstmal Tabletten nehmen. Ich mag die gelben, die auf der Zunge sofort schmelzen. Leider machen sie dick. Dafür verschwinden die ganzen Stimmen und abartigen Gedanken. Milchmädchenrechnung. Aber deswegen gleich Sport machen? Immernoch besser als den lieben langen Tage mieße Laune und Schmerzen im Brustbereich. Der Nächste: Stimmung? "Naja, gestern Abend vielleicht so ne 3, jetzt aber wieder 5-6". Schulnoten sind ne klasse Skala. Lachen wird sowieso überbewertet und reicht ja einmal in der Woche. Beherrschung braucht es. Kein Antrieb im Leben, keinen Sinn. Lieber schlafen. Ist auch nicht einfach! Das Wetter ist ohnehin miserabel. Da freut sich der Depressive insgeheim. Der Winter kommt, es schneit Diagnosen.
Probleme der psychisch Kranken sind teilweise schwer nachzuvollziehen und können einen selbst absolut in den Wahnsinn treiben. Punktlandung. Was soll man sagen wenn die kleine Blonde mal wieder nicht essen will, weil sie Angst hat mit dem Messer jemanden töten zu können. Tag für Tag. Dann eben der rote Saft - nein, leider schmeckt er nicht so süß wie er riecht. Ist schließlich Medizin. Es wird schon nichts passieren. Wir sind doch da! Auch noch nächsten Monat. Und übernächsten. Empathie! Danke Ulla Schmidt.
ich will mehr davon!
AntwortenLöschenwird kommen...
AntwortenLöschenbon. bonbon.
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