Man sagt, es wird jetzt wieder mehr und härter kritisiert und das muss wohl auch so sein. Das beschissene "Anything goes" geht uns allen ja schon lange auf den Senkel und wartet jetzt nur darauf feinsäuberlich von der in den Startlöchern stehenden intellektuellen Super-Generation zerhackt zu werden. Danke, dass den diversen ADHS-Kunsthistorikern, zu denen ich mich auch zähle, zumindest in der aufkommenden Kunstkritik so langsam Einhalt geboten wird. Ja, ich finde auch erstmal alles gut, lasse mich viel zu oft von schönen Effekten flashen und hinterfrage, wenn überhaupt, erst im dritten Schritt. Vielleicht ist es das, was Ranciere die "Freiheit der Ästhetik" nennt, wenn ja, zelebriere ich sie feierlich bei jedem Museums oder Galeriebesuch. Naja, man macht sich's eben leicht, leichter, zu leicht...
Auf der Veranstaltung von 20 Jahre Texte zur Kunst am Samstag jedenfalls, war genau dieser Wandel spürbar - am überaus jungen und interessierten Publikum, am ausverkauften Hau1 und am rhethorisch eindrücklichsten von dem Italiener Franco Berardi vorgetragen. Die Kunst braucht wieder mehr Diskurs! Mehr Kritik! Mehr laute Italiener! Jetzt! Nicht Morgen. Ich erinnere mich an die Videos der Podiumsdiskussionen mit Joseph Beuys in den 60ern, als man noch rauchen dürfte und musste(!) und entschließe mich für heute schlafen zu legen, in der Hoffnung bald wieder solchen Diskussionen zu lauschen.


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