Montag, 13. Dezember 2010

Wie man sich bettet, so schläft man


Freunde und Besucher loben mein Schlafzimmer für die dunkelgrünen Wände und die ruhigen Bilder daran, den hellen, flauschigen Teppich, das weiche Rentierfell über dem Schaukelstuhl und das warme Licht - kurzum: für seine Gemütlichkeit. Im Mittelpunkt steht aber mein schönes Bett.

Zuerst die harten Fakten:
Länge: 221 cm
Breite: 146 cm
Hauptteile: Stahl, Pulverlack auf Epoxibasis
Stirnseite: Zellulose- und Baumwollfasern
Unter einer milchig-weißen Lackierung verbirgt mein Bett seine stählerne Natur, nur die innen liegenden Schweißnähte verraten seine metallene Herkunft. Das geflochtene Kopfteil ergänzt es in seinem warmen Braunton um den wohligen Eindruck von einladender Gemütlichkeit. Seine Schaummatratze macht dieses Versprechen wahr. Schneeweiße Bettwäsche, davon zwei Paar -: je ein quadratisches Federkissen und eine passende Decke -, lässt von warmen Frühlingssonntagen träumen, die man mit einem Frühstück im Bett beginnt und einem guten Buch im selbigen beendet.

Das ist mein Bett, ich mag es sehr. Es könnte kein besseres geben. Ich besitze es erst seit wenigen Monaten. Zuvor schlief ich in einem einfachen Einzelbett, das seinen Zweck erfüllte, aber auch nicht mehr. Es war nicht schön anzusehen, doch immerhin, es trug. Ein Doppelbett sollte es sein, schließlich braucht der Mensch auch im Schlaf seinen Platz, seine Freiheit.

Eine der beiden Bettwäschegarnituren (es ist die rechte, die zur Wand gekehrte) liegt fast unbenutzt an Ort und Stelle. Sie wird kaum gebraucht, dennoch liegt sie stets aus. Ich schlafe auf der linken Seite, dort, wo der Wecker steht, wo meine Bettlektüre liegt. Hier steige ich abends ins Bett und stehe morgens wieder auf. Das andere, das zweite Deckbett bleibt unberührt und wartet auf den nächsten Tag.

Nun habe ich dieses beste aller Betten und die versprochene Freiheit und kann damit nichts anfangen. Ich brauche noch immer nicht mehr als diesen gewohnt geringen Platz und habe doch nichts weiter gewonnen als die Erkenntnis, dass diese neue Freiheit im Grunde genommen gar keine ist.

2 Kommentare: