Sonntag, 30. Januar 2011

Familiäre Fremde

"Wollen wir da wirklich reingehen? Sechs Euro? Es ist zwei Uhr und es sind nur zwanzig Leute da...!" Wir gingen hinein und fanden weniger als die recht optimistisch geschätzte Angabe des Türstehers vor. Wir stießen aber auch auf eine illustre Meute, die, von vielen Leuten wohl als Mitte-Hipster abgestempelt, hier zu Musik tanzte, die wenigstens ich aus gutem Grund bisher verdrängte. Ich mochte diesen Club schon immer für seine, wenn auch oberflächlich gesehenen, sozialen Überraschungen.

"Ach, wenn ihr schon mal hier seid, dann können wir ja – so ganz unter Freunden – auch durch die Nacht tanzen." Das war die Losung dieser Nacht. Wohnzimmer-Dancefloor und Heim-Sound-System. Man kannte keinen und doch kannte man alle. Familiäre Fremde.

Nachts sind alle Katzen grau und das gilt auch für die Musik. Die üblichen 120bpm-80er-Party-Hits fügten sich hier (aber womöglich nur hier) einwandfrei mit den kühnsten Mash-Ups zusammen, die man nur erwarten kann. Wir entdeckten viele Parallelen zu den Bravo-Hits 11 und 22; freilich nur, weil wir diese Ausgaben selbst besaßen.

Dennoch, auf der halb gefüllten Tanzfläche fackelte man nicht lange und versuchte sich in zappelnder Expressivität, für die man andernorts nur abfällige Blicke kassieren würde. Die Erkenntnis reifte heran, daß Charleston für alles geeignet ist und daß es selbst auf der kleinsten Party immer einen Tanztrottel und eine vermeintliche Tanzstudentin gibt.
Aber hey, sollte ich es miterleben, wenn jemals wieder A-ha "Take on me" mit Jay-Z gemixt wird, dann kenne ich jetzt die idealen Schritte zum getanzten Glück.


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