Freitag, 25. März 2011

Pauschalkraft.

Es gibt immer wieder Momente, in denen die Menschen, die mir am nahesten stehen, scheinbar unendlich weit entfernt sind. Mit solchen Momenten umzugehen, fällt mir unglaublich schwer. Suche ich doch grundsätzlich Menschen, die mir ähnlich sind, mich dadurch verstehen, so wie jeder andere auch. Ich gestehe, dass ich ernsthaft überlegt habe, ein bisschen wie diese Menschen zu werden. Ich nehme mir vor vielleicht ein bisschen ignoranter zu werden, vielleicht auch ein bisschen kritischer, vielleicht auch sich selbst ein bisschen beschützender vor diesen unglaublich vielen Menschen um mich herum. Doch das bin ich nicht. Und ehrlich gesagt, will ich es auch um nichts in der Welt sein. Ich will nicht sein wie ihr, ein bisschen verachte ich euch in diesen Momenten auch dafür. Ich will mich, was das angeht hineinstürzen in Affirmativität, will sie alle kennenlernen diese Menschen, um mich herum, auch wenn sie nicht die richtige Hose oder die feschesten Sneaker tragen oder für Berliner Verhältnisse "langweilige" Berufe ausüben, auch wenn ich mich dadurch manchmal wie eine kraftlose und verlorene Seele im unendlich weiten Menschenmeer fühle. Ich will genau auch ihr dahinter, will dabei meinem Herzen und Gefühl folgen dürfen und mich dahingehend erst recht nicht professionalisieren. Natürlich bewerte auch ich die Menschen um mich herum, aber maße mir nicht an zu sagen, dass ich sie nach einem ersten Treffen in meinem Leben brauche oder eben nicht. Und das tue ich genau deshalb, weil diese "fehlerhaften" Menschen mir in den meisten Fällen irgendwie ehrlicher und authentischer erscheinen - als zum Beispiel diese ganzen supermodischen Fashionheinis und Kunstkläuse, die sich auf inhaltsleeren Vernissagen das highendcatering reinhauen. Diese Normalmenschen um mich herum erden mich, wie das meine Freunde tun, wenn ich mich selbst manchmal, wie einer von diesen ignoranten superoberflächlichen Spasten fühle.
Pauschalgelaber, welches irgendwie raus musste.


9 Kommentare:

  1. versteh ich nicht.

    wie wer? um wen gehts? dass versteht doch keiner, außer deinen engsten freunden, denen du das vllt mal auf ne tasse tee erzählen solltest...nicht?!

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  2. musste auch nicht verstehen. ist nur so für mich. meine freunde wissen das, weil wir gestern darüber gesprochen haben.
    (ich glaube auch die diskussion ist ne generationenfrage irgendwie, but anyway.)

    lieber anonym, für dich zur erklärung. dieser blog ist kein entertainmentblog, sondern ein persönliches und dennoch öffentliches tagebuch. (deshalb ganz oft auch bewusst nur fragmentarisch)
    so oldschool ein diary auch ist in dieser professionalisierten rebloggerwelt, ich mag das.

    liebe grüße,
    ebbe.

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  3. hmm, jetzt fühl ich mich meiner zeit beraubt

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  4. das ist im internet wohl keine seltenheit...
    :D

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  5. und hier jetzt sogar mit vorsatz!

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  6. maria, dieses affirmative "auf den menschen zu gehen" ist auch genau das, was dich von vielen menschen abhebt und zur besseren person macht. den contest hast du definitiv gewonnen.

    für menschen wie mich, die damit jedes mal wieder auf die fresse geflogen sind und leider nicht mehr jeden mit offenen armen empfangen wollen (und auch ehrlich gesagt keinen platz mehr für enttäuschungen frei machen möchten) ist es eben nicht so einfach. und wie gestern schon erwähnt bewerte ich ja eben NICHT positiv für leute, die eben fashionmäßig abräumen, im gegenteil, das sind genau die leute, die mich ankotzen; weil ich aus meinen (!) erfahrungswerten her sagen kann, dass ich nichts mit den meisten (!) dieser nische gemeinsam habe. ich gebe denen deshalb nicht gleich von anfang den fickfinger, ich weiß auch gar nicht ob ihr das so von mir je erlebt hattet dass man das alles gleich so wörtlich nehmen muss... aber der punkt ist, das ist kein generationsproblem, das ist nicht wahr. ich sehe meine umwelt nur anders als du, weil ich eben nicht mehr über erfahrungen hinwegsehen will, auch wenn das bedeutet zu vorurteilen (wenigstens aber selbsterfahrenen) zurück zu greifen. es ist auch ein selbstschutzmechanismus.

    wer mich vom gegenteil überzeugen will, der hat jede chance dazu. wie gesagt, ich geh ja nicht zu leuten hin und sag "alter deine schuhe passen mir nicht in den kram deshalb fick dich" oder "ey du hast BWL studiert hahaha du opfer", das wäre auch völlig lächerlich. aber ich werde nicht ohne grund auf eine twitterlesung gehen, weil ich weiß, was da für leute rumhängen, und ich mit denen meistens nich klarkomme. ich werde auch wahrscheinlich nicht ins matrix tanzen gehen, weil ich weiß, was da für leute rumhängen, und ich mit denen nicht klarkomme.

    das machst du doch auch so, oder?

    und zum kontext von gestern: konzert und auftritt und von aussehen/auftreten/erscheinen auf die Art zurückschließen: ja klar ist das ignorant und unfair, weil die Leute ganz anders sein können als auf der Bühne. Aber ey, ich war nicht da, um diese Leute kennen zu lernen, sondern um mir eine Show anzusehen.. und wenn mir die Protagonisten nicht in den Kram passen, aus welchem Grund auch immer, dann fuck it, ist meine Meinung genauso wenig wert wie das von jemanden der die gut fand. (das sagt nichts über die Musik aus)

    Naja, keine Ahnung, deine Enttäuschung über meine Einstellung dazu kann man dir ja im Gesicht ablesen, aber ich verstehe nicht mal im Ansatz wo dich das jetzt persönlich tangiert...

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  7. so, ich gebe es jetzt zu: Ich habe BWL studiert und war auch schon im Matrix. Twitter mag ich nicht und oft freue ich mich einfach nur auf mein Bett zu Hause. Nennt mich Opfer, Langweiler, Spießer. Ist schon oft geschehen. Störts mich? Nicht im Geringsten, weil die Selektion der Menschen, mit denen man zu tun hat, nicht einseitig ist. Jeder darf wählen. Du magst mich, ich mag dich. Oder eben auch nicht. Und ehrlich, wenn ich ständig beim Kennenlernen von neuen Menschen auf mein erstes Gefühl oder meinen gelernten Erfahrungen zurückgreifen würde, dann hätte ich jetzt einen Großteil meiner Freunde NICHT!

    Wir leben in Klischees und Vorurteilen. Und oft in sehr kleinen, in sich geschlossenen Sphären. Vor allem in dieser Stadt. Wir regen uns über Menschen auf, die uns wahrscheinlich ähnlicher sind, als wir es je zugeben würden. Kommt damit klar, und wenn nicht, dann verändert etwas - denn glücklich seid ihr dann nicht!

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  8. im matrix übergeben, studiere wirtschaft, trage peinliche marken, höre schund, habe wenig zeit. auf deinem sofa spielt das alles keine rolle. für mich.

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  9. Wenn ich morgens aus meinem Ikea-Bett aufstehe, mein Hornbrille aufgesetzt und erst einmal von meinem Macbook aus die Facebook-Nachrichten gecheckt habe, ziehe ich meine COS-Klamotten an und schaue dann, was der Tag so bringt. Meist ist es etwas, was jemand vor mir als Kunst bezeichnet hat, oftmals auch der Studienalltag, an manchen Tagen auch ein Konzert, das mir Freunde empfohlen haben, das mir jedoch mißfällt, weil ich ein Musiknazi bin. Dann bin ich froh, daß ich nicht zu den Opfern wie das COS- und Hornbrillen-tragende Publikum gehöre, das von dem Event vom Macbook aus bei Facebook gelesen hat, nachdem es von seinem harten Unialltag und den vielen Vernissagen endlich eine ruhige Minute fand, um sich mit dem neuen Ikea-Katalog und dem Partyplan für das kommende Wochenende zu beschäftigen.

    Ich lebe in einer Welt aus Klischees, habe mich in einem unübersichtlichen Nest an Stereotypen und Vorurteilen häuslich eingerichtet, um von diesem letzten Ort des ungestörten Friedens aus auf all die Idioten herabzuschauen, die es mir im Grunde genommen doch eigentlich nur gleich tun, die sich ebenfalls eine eigene Weltordnung erschaffen haben, welche das Leben so viel einfacher macht. Sieht ganz so aus, als wäre ich auch nur ein Mensch unter vielen.

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